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Interview mit Frank Möller von der INITIATIVE auslandszeit

Dein Hintergrund & die Mission

1. Frank, du bist seit über 20 Jahren in der Welt der Auslandszeiten unterwegs und hast über 100.000 Menschen auf ihrem Weg ins Ausland begleitet. Was war der ursprüngliche Funke – was hat dich damals bewogen, dein Leben diesem Thema zu widmen?


Im Grunde bin ich eher zufällig Anfang des Jahrtausends zu diesem wundervollen Thema „Leben und Arbeiten im Ausland“ gekommen, was dann auch mehr und mehr zu einer wahren Passion für mich, privat wie beruflich, geworden ist. Nach meinem Marketingstudium an der WWU in Münster verschlug es mich zu einer Eventagentur ins Rheinland. Eine tolle Erfahrung, jedoch schlug mein Herz immer noch für Münster und all die schönen Erinnerungen an meine Studizeit. Als ich dann über eine Stellenausschreibung im Bereich Online-Marketing bei einem Münsteraner Spezialreiseveranstalter für Work & Travel, ging alles ganz schnell: Einen Monat später war ich verantwortlich dafür, jungen Menschen die weite Welt der Work Experiences wie Work & Travel, Freiwilligenarbeit, Farm- & Ranchaufenthalte oder eben Auslandsjobs über gezieltes Online-Marketing näherzubringen; und der Funke für dieses so spannende und positive Thema war unwiderruflich auf mich übergesprungen. Diesen Funken darf ich nun seit nunmehr 25 Jahren täglich an junge Menschen weitergeben – mittlerweile eben wie schon in der Frage erwähnt an weit über 100.000 Auslandszeitler.

2. Auslandsjob.de hat sich von einem Work-&-Travel-Magazin zur größten deutschsprachigen Cross-Border-Jobbörse entwickelt. Welche Wendepunkte waren dabei wirklich entscheidend?


Im Grunde war es genau ein Wendepunkt, und zwar der, der für uns alle so einschneidend und bleibend im Gedächtnis verankert ist: Corona & die damit zusammenhängenden Lockdowns sowie Grenzschließungen! Für uns als damals schon führendes Netzwerk rund um Auslandsaufenthalte insbesondere für Schulabgänger war dies im Grunde ein Todesurteil, oder besser gesagt: wäre es gewesen, wenn wir als Unternehmen nicht sprichwörtlich etwas unternommen hätten: Im Grunde uns komplett neu zu erfinden und unserem Domainnamen www.auslandsjob.de – Nomen est Omen – alle Ehre machend nun verstärkt international aufgestellten Unternehmen dabei zu helfen, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Zwar fragten immer schon in der Vergangenheit Unternehmen wie TUI, Robinson oder Teleperformance an, ob wir sie nicht mit unserer enormen Reichweite beim Recruiting helfen könnten. Diesen Ruf haben wir jedoch erst während Corona so richtig an uns herangelassen, als eben kein Abiturient mehr die Chance auf sein einmaliges Abenteuer im Australischen Outback hatte, um weiterhin als Unternehmen exisitieren zu können. Denn offen gesprochen war unser Umsatz schlagartig mit den internationalen Reiseverboten um über 90 Prozent zurückgegangen – sprichwörtlich über Nacht! Und dann ging alles sehr schnell: Mit dem Rücken zur Wand stehend bauten wir mit höchstem Teamflow aus dem Work & Travel-Magazin www.auslandsjob.de Deutschlands größte Jobplattform für Jobs & Arbeit im Ausland. Eine Teamleistung, die erst im nachhinein so richtig erkennen lässt, was wir da während Corona, während die Grenzen dicht waren, so hinter verschlossenen Türen unseres (mittlerweile der kompletten Remote-Ausrichtung zum Opfer gefallenen) Büros Großartiges auf den Weg gebracht haben. Einen riesen Dank hier noch einmal an die tollen KollegInnen und zu Freunden zusammengewachsenen Auslandszeitler Jane, Andreas, Marion, Tim, Malte, Matthias & Christian!

Die Schnittstelle Workation & Auslandsjob

3. Workation und Auslandsjob – auf den ersten Blick verwandt, aber doch verschieden. Wo siehst du die entscheidenden Unterschiede, und wo überschneiden sich die Zielgruppen von workation.de und auslandsjob.de?


Für mich sind Workations als auch Auslandsjobs zwei Seiten derselben Medaille – oder eben unterschiedliche Ausprägungen eines einenden Wunsches, für eine Zeit lang im Ausland zu leben und zu arbeiten! Häufig lassen sich beide in Form einer sogenannten long-term Workation verbinden bzw. ist eine Workation eine ideale Option für alle, die im Ausland remote arbeiten. Unterschiede liegen sicherlich dort, wo eine Workation eben nicht im Ausland stattfindet bzw. dann, wenn eine Workation bspw. vor allem von Selbständigen oder Freelancern genutzt wird, während ein Auslandsjob häufig noch eher ein Angestelltenverhältnis beschreibt.

4. Workation ist für viele der erste Schritt raus aus dem deutschen Büroalltag. Beobachtest du, dass daraus oft ein echter Auslandsjob oder gar eine Auswanderung wird – also dass Workation eine Art „Einstiegsoption" ins Auslandsleben ist?


Was wir vor allem sehen, ist der Wunsch, Leben und Arbeiten stärker miteinander zu verbinden. Hier kommen wir auch ganz schnell zu den Motivationen und Work-Life-Blends junger Generationen wie der GenZ, die eben keinen typischen oder traditionellen Job suchen, der irgendwas mit dem sprichwörtlichen „Nine to Five“ zu tun hat. Es geht um Sinn, Beitrag, Erfüllung – und dies wird im beruflichen Kontext häufig mit der Forderung nach flexibl(er)en Arbeitsmodellen verbunden. Workations sind hier eine erste bzw. sehr gute Umsetzungsmöglichkeit, jungen ArbeitnehmerInnen den Weg zu dezentralen, räumlich flexiblen Arbeitsumfeldern zu bahnen – und Arbeitgebern auf selbige Weise den Zugang zu so umworbenen GenZ-Talenten zu ermöglichen. Der Weg bzw. der Übergang zu nachfolgenden Relocations ins Ausland sowie der Tätigkeit im Rahmen eines Auslandsjobs als Expat zu einem späteren Zeitpunkt auf der Karriereleiter ist dann häufig naheliegend.

5. Spanien ist laut eurer Studie das Wunschziel Nummer eins – gefolgt mit einigem Abstand von Großbritannien auf Platz 7. Was steckt hinter diesen Zahlen, und welche Länder siehst du als die kommenden Aufsteiger?


Spanien steht bei uns seit Jahren konstant an der Spitze – und das aus gutem Grund. Mit 34,4 % der Nennungen in unserer aktuellen Umfrage zum Thema „Arbeiten & Jobs im Ausland“ (2.214 Teilnehmende, Oktober 2024 bis Januar 2025) ist Spanien unangefochten die Nummer eins unter den europäischen Wunschzielen. Wer unsere Zahlen kennt, weiß: Das hat wenig mit dem Jobmarkt zu tun – und alles mit dem Lebensgefühl. Sonne, Offenheit, mediterrane Lebensart. Spanien verkörpert für viele Deutsche den Gegenentwurf zum heimischen Alltag. Und wie ich sehe, gilt dies auch für eure Workation-Angebote auf Workation.de: hier liegt die Iberische Halbinsel ja ebenfalls ganz vorne in der Gunst eurer Workation-Interessenten. Was uns bei Großbritannien überrascht hat: In unserer Umfrage 2022/23 lag das Land noch auf Platz 2, jetzt ist es auf Platz 7 abgerutscht – von 17,2 % auf 12,7 %. Das ist ein deutliches Signal. Der Brexit hinterlässt seine Spuren im Wunschdenken. Die Visa-Hürden machen den Traum von London für viele unattraktiver. Schon damals haben wir gesagt, es ist fraglich, ob der Wunsch den praktischen Realitäten standhält – und offenbar setzen unsere Nutzerinnen und Nutzer das inzwischen selbst so ein. Die kommenden Aufsteiger sehe ich ganz klar in Portugal und Griechenland. Portugal hat sich als Hotspot für digitale Nomaden und Remote Worker etabliert und profitiert von einer guten Workation-Infrastruktur, mit attraktiven Visa-Programmen und einer internationalen Tech-Szene in Lissabon. Griechenland holt auf, weil die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Spanien noch günstiger sind und das Land gezielt auf internationale Fachkräfte setzt. Außerhalb Europas ist Thailand interessant – erstmals deutlich in unseren Daten vertreten, getrieben von der Nachfrage nach flexiblen Arbeitsmodellen.

7. Ihr habt festgestellt, dass Menschen nicht primär wegen des Jobs ins Ausland gehen, sondern wegen des Lebensgefühls und persönlicher Sehnsucht. Was bedeutet das für Unternehmen, die im Ausland rekrutieren oder ihren Teams Workations anbieten?


Das ist für mich der spannendste Befund unserer Studie – und ein echter Weckruf für Arbeitgeber. Das Hauptmotiv für einen Auslandsjob ist laut unserer Umfrage nicht das Gehalt, nicht der nächste Karriereschritt. Es ist der Wunsch, neue Sprachen und Kulturen zu erleben, Abwechslung zu bekommen – und, was neu und auffällig ist: „Einfach raus aus Deutschland" landet direkt auf Platz 3 der Motive. Das zeigt eine Stimmung, die tiefer geht als Jobwechsel. Was bedeutet das für Unternehmen? Zunächst: Wer im Ausland rekrutiert, muss aufhören, ausschließlich mit Karriereversprechen zu werben. Wer den Schritt ins Ausland mit Entwicklung, Wachstum und persönlicher Erfahrung verknüpft – das ist die Sprache, die diese Zielgruppe spricht. Die Stelle ist oft nur das Ticket für das Leben, das man sich erhofft. Für Workations gilt dasselbe: Unternehmen, die das ernst nehmen, geben ihren Mitarbeitenden nicht nur einen Benefit – sie bedienen ein echtes Grundbedürfnis. Das ist Retention-Strategie im besten Sinne. Gerade weil fast die Hälfte unserer Befragten angibt, länger als ein Jahr im Ausland bleiben zu wollen, sollten Unternehmen Auslandsaufenthalte nicht als Ausnahme, sondern als strukturelles Angebot denken – im Rahmen neuer, zeitgemäßer flexibler Arbeitsmodelle. Wer das nicht tut, verliert diese Menschen irgendwann ganz an Arbeitgeber, die es tun.

Employer Branding & New Work

8. Du arbeitest selbst ortsunabhängig – kein physisches Büro seit Corona. Wie hat das die Unternehmenskultur der INITIATIVE auslandszeit verändert, und was würdest du anderen Unternehmern raten, die diesen Schritt noch scheuen?


Du arbeitest selbst ortsunabhängig – kein physisches Büro seit Corona. Wie hat das die Unternehmenskultur der INITIATIVE auslandszeit verändert, und was würdest du anderen Unternehmern raten, die diesen Schritt noch scheuen? Corona hat uns nicht gezwungen, umzudenken – es hat uns erlaubt, konsequent zu werden, was wir eigentlich schon längst hätten tun sollen. Wir beraten Menschen darin, ihr Leben ins Ausland zu verlagern. Da wäre es seltsam gewesen, selbst jeden Morgen ins gleiche Büro zu pendeln. Was sich verändert hat? Kommunikation ist bewusster geworden. Man redet nicht mehr nebenbei – man redet, wenn es wichtig ist. Das zwingt zu Klarheit. Was ich anderen Unternehmern mitgeben würde: Der größte Fehler ist, Remote Work als Notlösung zu behandeln. Wer das Büro einfach ins Digitale verlegt – gleiche Meetings, gleiche Strukturen, nur per Video – wird scheitern. Es braucht echtes Vertrauen, klare Ergebnisverantwortung und den Mut, Kontrolle loszulassen. Das ist unangenehm. Aber es ist auch der Moment, in dem man als Führungskraft wächst.

9. Workation & Remote Work gilt zunehmend als Instrument im Employer Branding. Siehst du das genauso – und welche Unternehmen profitieren deiner Erfahrung nach am meisten davon?


Ja, definitiv – aber es kommt darauf an, wie ehrlich ein Unternehmen damit umgeht. Remote Work und Workation sind kein nettes Zusatzangebot mehr. Für einen wachsenden Teil der Talente sind sie ein Auswahlkriterium. Unsere Studie zeigt: Fast jeder zweite Befragte möchte länger als ein Jahr im Ausland arbeiten – das sind keine Leute, die sich mit einem einmaligen Workation-Trip abspeisen lassen. Am meisten profitieren Unternehmen, die Remote Work strukturell verankern – also wirklich Vertrauenskultur und Ergebnisverantwortung leben, nicht nur Anwesenheit ins Digitale verlagern. Besonders interessant: Gerade Mittelständler können hier punkten, weil sie im Gehaltsvergleich mit Konzernen oft nicht gewinnen können – aber mit echter Flexibilität schon.

Autorenbox

Frank Möller ist Gründer der INITIATIVE auslandszeit GmbH und gilt seit über 15 Jahren als führender Experte für Auslandsaufenthalte und Work & Travel. 2008 startete er das heute größte unabhängige Informationsnetzwerk zum Thema Auslandszeit. Mit der 2020 gegründeten Auslandsjob Recruiting Solutions GmbH schlägt er die Brücke zum Thema New Work und vermittelt jungen Talenten Arbeitsmöglichkeiten weltweit. Als Experte für Cross Border Mobility veröffentlicht er regelmäßig Marktstudien und ist gefragter Interviewgast in Fachmedien und Podcasts, wo er über Trends im Auslandsrecruiting spricht.

E-Mail: frank@auslandsjob.de
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/frank-möller-auslandszeit/

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